Von der Backstube zum Baudenkmal: Die faszinierende Historie eines Fachwerkhauses mitten in Herdecke.
Die Geschichte der Stadt Herdecke begann vor etwa eintausend Jahren. In ihrer wechselvollen Historie war die kleine Stadt am Schnittpunkt großer Handelsstraßen zwischen Köln und Weserraum, Siegerland und Münsterland ein regional bedeutender Handelsplatz. Und mitten in dieser Geschichte steht ein Haus, das selbst viel zu erzählen hat: die Hauptstraße 38.
Die Anfänge im 18. Jahrhundert
Die ersten bekannten Eigentümer des Hauses, die in einer Katasterkarte aus dem Jahr 1824 verzeichnet sind, hießen Heinrich und Wilhelmine Blothe. Das Grundstück trug damals die Nummer 178 und den Namen Erben Blothe. Auf der Karte ist ein Haus mit Nebengebäuden eingezeichnet – ein Wohnhaus mit steinernem Backhaus, das zum Fachwerk des Nachbarhauses gereicht hatte.
Die alte Backstube ist längst verschwunden, doch am heutigen Durchgang zur Frühlingsstraße kann man den restaurierten Brunnen bewundern, der möglicherweise einst das Frischwasser für die Bäckerei lieferte.
Fachwerkkunst zum Anfassen
Während heute die Außenfassade verkleidet ist, kann man im Inneren des Hauses an den dunklen Eichenbalken noch gut die Spuren der Beile erkennen. Zimmermänner formten einst die runden Baumstämme zu kantigem Bauholz. Auf gestampftem Lehmboden wurde eine umlaufende niedrige Mauer errichtet, auf der man das Ständerwerk aufgerichtet hat.
Im The Shakespeare kann beim Anblick des Hauses innen und außen die alte Bauweise gut nachvollzogen werden. Das ist der liebevollen Restaurierung zu verdanken, die Rainer Herzog in den 1970er Jahren vorgenommen hat.
Vom Westfälischen Hof zum Shakespeare
Die Gaststätte durchlebte viele Epochen: als Westfälischer Hof unter Alma Bierwirt, als Tante Alma unter Rainer Herzog ab 1978, als Studio 38 in den Diskothek-Jahren, und nach verschiedenen Pächtern schließlich als The Shakespeare ab September 2015.
Seit dem 19. Dezember 1985 ist das Haus als Baudenkmal Nummer 89 von 150 in der Denkmalliste von Herdecke verzeichnet – mit gutem Grund. Die alten Balken aus dem Abriss wurden für den Innenausbau wiederverwendet. Der Tresen wurde aus Ziegelsteinen aus Abbruchhäusern in Lüdenscheid gemauert. Sandsteinplatten auf dem uralten Lehmboden geben dem Gastraum seinen besonderen Charme.
„Alte Geschichten können nachempfunden werden: Man meint, man könnte den Duft von frischem Brot der Bäckerei noch riechen, die vor zweihundert Jahren im Haus betrieben worden war.“
— Peter Krause



