News › 31. Oktober 2026
Ein Verein für die Abende, die bleiben sollen

Warum ich einen Musikverein mitgründe, der ausdrücklich nicht mein Verein ist. Und warum Du am Montag dabei sein kannst.
Elf Jahre Shakespeare, 193 Musikabende, 354 Acts. Das sind die Zahlen aus dem Archiv, das ich seit 2013 führe, und ich nenne sie nicht, um anzugeben. Ich nenne sie, weil sie ein Problem beschreiben.
Jeder dieser Abende hing an einem Haus und an einer Person. An diesem Haus, und an mir. Das war elf Jahre lang in Ordnung, und es ist trotzdem eine schlechte Konstruktion. Wenn sich hier etwas ändert, der Pächter, die Räume, die Gesundheit des Wirts, dann ist die Musik weg. Nicht, weil jemand das will, sondern weil niemand sonst den Schlüssel hat. Ein Wirt ist keine Institution. Er ist ein Mann mit einem Schlüsselbund.
Was wir gründen
Am Montag gründen sieben Leute den Livemusik Herdecke e.V. Ein gemeinnütziger Verein, der selbst Konzerte veranstaltet, mit eigener Kasse, eigener Satzung und einer Mitgliederversammlung, die entscheidet. Er zahlt den Musikerinnen und Musikern eine feste Gage, für alle dieselbe, plus Hut, der nicht angerechnet wird. Er führt das Archiv weiter, damit es nicht mehr in meinem Schrank liegt. Und er soll junge Bands nicht nur auf eine Bühne stellen, sondern dorthin begleiten: ein Gespräch vorher, Hilfe bei Technik und Setlist, eine Probe, ein erstes Publikum, das wohlwollend ist.
Die Gemeinnützigkeit beantragen wir beim Finanzamt nach der Gründung. Das ist der vorgesehene Weg, und er ist der längere. Wer sich einen Verein als Abkürzung vorstellt, wird enttäuscht.
Was der Verein nicht ist
Nicht mein Verein. Das steht nicht nur so da, das steht in der Satzung. Es gibt kein „Shakespeare” im Namen, und das ist Absicht: Ein Verein, der nach einem Betrieb heißt, ist bei der Gemeinnützigkeit angreifbar, und er soll auch dann noch stimmig heißen, wenn anderswo gespielt wird. Wo ein Vorstandsmitglied selbst betroffen ist, mit eigener Band, eigenem Lokal oder eigenem Raum, greift ein Stimmverbot. Ich habe das mit aufgeschrieben und meine damit zuerst mich selbst.
Wenn der Verein hier spielt, zahlt er die Gage, und ich schenke aus, auf eigene Rechnung, wie jeder andere Wirt in jedem anderen Haus. Das klingt nach Buchhaltung. Es ist Buchhaltung. Und genau deshalb hält es länger als eine Absprache an der Theke.
Montag, 2. November, 18 Uhr
Die sieben, die das Gesetz für eine Gründung verlangt, sind beisammen. Mehr dürfen es werden. Wer am Montag als Gründungsmitglied dabei sein will, schreibt bis Sonntag, 1. November, an kontakt@livemusik-herdecke.org. Ort und Unterlagen kommen dann per Mail. Der Satzungsentwurf, über den abgestimmt wird, steht schon öffentlich unter livemusik-herdecke.org/satzung, mit allen Stellen, die noch offen sind. Ein Mitgliedsbeitrag ist noch nicht beschlossen; das macht die Versammlung am Montag, nicht ich. Wer sich meldet, geht keine Zahlungspflicht ein.
Danach ist man Mitglied, aber kein Gründungsmitglied mehr. Das ist der einzige Unterschied, und für manche ist er der Grund, am Montag zu kommen.
Wenn Montag nicht passt
Dann passt vielleicht der erste Abend, den der Verein veranstaltet. Mitglied werden geht auch nach der Gründung, aktiv oder fördernd. Und der wirksamste Beitrag zu einem Musikabend kostet keinen Jahresbeitrag: Er besteht darin, dass Du kommst. Ein voller Raum ist das einzige Argument, das jede Band versteht.
Wenn Du selbst spielst, und besonders, wenn Du eine Band hast und noch nie vor Leuten gespielt hast: Schreib dem Verein, was Du machst und was Dir fehlt. Genau Dich meint die Satzung.
Die Musik soll bleiben, wenn sich alles andere ändert. Der Wirt eingeschlossen.
I like this place, and willingly could waste my time in it.
