News › 28. September 2026
Du und ich machen einen Pub lebendig

Die Westfalenpost war zu Besuch. Ein paar Anmerkungen des Wirts
Letzte Woche saß eine junge Frau mit Notizblock an unserem Spieleabend und stellte Fragen. Das kommt vor. Ungewöhnlich war, dass sie die Fragen nicht mir stellte, sondern Euch.
Sophia Becker von der Westfalenpost war für die Serie „Unsere Orte. Unsere Leute.” bei uns. Der Artikel ist am 28. September erschienen, und ich habe ihn dreimal gelesen. Nicht aus Eitelkeit (na gut, beim ersten Mal schon), sondern weil ich darin Dinge über mein eigenes Pub erfahren habe, die ich so noch nicht gehört hatte.

Was Ihr der Zeitung erzählt habt
Verena kommt seit rund fünf Jahren alle zwei Wochen zum Spieleabend und hat hier ihre heutigen Mitspieler kennengelernt. Aus „losen Bekanntschaften”, so steht es im Artikel, wurde ein fester Freundeskreis. Marvin kommt freitags nach der Arbeit allein vorbei, setzt sich an seinen Stammplatz in der Ecke der Bar und redet mit dem Barkeeper oder mit wem auch immer gerade da ist. Britta hat sich vor rund dreißig Jahren mit der Schülerzeitung in der „Tante Alma” getroffen und sitzt heute mit Michael vor dem Haus, während die Kinder beim Sport sind. Axel war 2019 in England im Urlaub und hat sich danach gefragt, warum man das nicht auch in Deutschland haben kann. Seinen 60. Geburtstag hat er hier gefeiert.
Ich danke Euch vieren. Ihr habt der Zeitung gesagt, was ich seit elf Jahren zu erklären versuche, und Ihr habt es besser gesagt.

Wie ein Mann aus Devon in einem Fachwerkhaus in Herdecke landet
Kurzfassung: Ich bin 57, komme aus Devon im Südwesten Englands, und habe 2015 das Lokal übernommen, in dem vorher jahrzehntelang die „Tante Alma” war. Die lange Fassung erzähle ich Dir gern an der Theke, sie dauert etwa ein Pint. Wichtig ist nur eins: Ein Engländer, der in Deutschland ein Pub eröffnet, hat entweder einen Plan oder Heimweh. Ich hatte beides, und nur eines davon hat sich bewährt.
Am Anfang habe ich vor allem auf Konzerte gesetzt. Heute kommen Spieleabende, Lesungen und Tastings dazu, und das Pub hat jeden Tag geöffnet. Ich nenne es unser offenes Wohnzimmer. Der Unterschied zu einem echten Wohnzimmer: Bei uns musst Du nicht vorher anrufen, ob es gerade passt.

Das mit dem Festketten
Kürzlich war ich eine Woche nicht im Pub. Zwei Stammgäste haben mir daraufhin mitgeteilt, ich dürfe auf keinen Fall schließen, sonst würden sie mich festketten. Ich habe das als Kompliment verstanden und die Kette vorsichtshalber nicht gesucht.
Ein anderer Gast wohnt inzwischen in Leipzig und hat trotzdem seinen Geburtstag hier gefeiert. Das sind gut 400 Kilometer für ein Bier. Ich habe nachgerechnet: Das Bier ist es nicht wert. Die Menschen an der Theke schon.

Warum ich bei Musikabenden draufzahle
Der Artikel zitiert mich mit dem Satz, Musikabende seien der Moment, in dem ich meinen Gästen etwas zurückgebe. Das stimmt, und es stimmt auch, dass ich dafür manchmal mehr ausgebe, als der Abend einbringt. Ein Steuerberater nennt das einen Fehler. Ich finde, dass Live Musik zum Pub leben dazu gehört und deshalb ist es eine Herzensangelegenheit von mir: einen Raum, in dem Gäste und Musiker zusammenkommen und wo wir gemeinsam Spaß haben. Dafür stelle ich gern die Bühne bereit.
Der Satz, der bleibt
Die Zeitung hat mich am Ende mit einem Satz zitiert, den ich an dieser Stelle gern wiederhole, weil er der einzige ist, den ich wirklich ernst meine: Du und ich, die Menschen, machen einen Pub lebendig.
Der Rest ist Holz, Bier und ein Engländer, der zu viel redet.
I like this place, and willingly could waste my time in it.
Der Artikel „Shakespeare in Herdecke als Treffpunkt: ‚Die Menschen machen ein Pub lebendig'” von Sophia Becker ist am 28.09.2026 in der Westfalenpost erschienen (Serie „Unsere Orte. Unsere Leute.”). Zitate mit freundlicher Genehmigung; Fotos: WP.
