News › 25. September 2026

Bier und Wetter

Warum ich bei den neuen Regeln für die Außengastronomie mitreden will, und nicht nur meckern

Als Wirt eines englischen Pubs kenne ich mich beruflich mit zwei Dingen aus: Bier und Wetter. Beides findet in Herdecke zunehmend draußen statt.

Mit diesem Satz habe ich einen Brief an die Westfalenpost begonnen, und die WP hat ihn am 25. September in einem Artikel aufgegriffen. Weil mich seitdem einige von Euch an der Theke darauf angesprochen haben, hier die Langfassung. Ohne Aufregung, versprochen. Ich bin Engländer, wir regen uns nur über den Tee auf.

Worum es geht

Die Stadt Herdecke möchte für Tische, Stühle, Schirme und Pavillons auf öffentlichen Flächen ein festes Regelwerk aufstellen, eine „Gestaltungsrichtlinie für Sondernutzungen”. Bisher gab es mündliche Absprachen aus der Corona-Zeit, in der die Stadt uns Wirten helfen wollte. Das war großzügig, und ich sage das ohne Ironie. Nur: Mündliche Absprachen halten so lange wie das Gedächtnis der Beteiligten, und das ist bei uns Gastronomen nach zwei Sommern nicht mehr das beste.

Es gab Wildwuchs. Auch bei uns. Vor meinem Pub steht ein Pavillon. Er schützt unsere Gäste und die Technik bei Konzerten vor dem Haus, er hält einem Herdecker Sommerregen stand (das ist eine Fachdisziplin), und er passt womöglich nicht zur neuen Richtlinie. Praktisch ist er trotzdem. Ich will darüber reden, nicht ihn verteidigen. Das ist ein Unterschied, und ich meine ihn ernst.

Was mich gestört hat

Nicht die Richtlinie. Die Reihenfolge. Die Verwaltung wollte den Betroffenen einen fertigen Entwurf als Diskussionsgrundlage vorlegen und hielt eine frühe Einbeziehung einzelner Akteure, Stichwort „Partikularinteressen”, für nicht zielführend.

Dazu habe ich der Zeitung gesagt: Wer Gastronomen früh einbindet, holt sich nicht nur Partikularinteressen ins Haus, sondern das Wissen von Menschen, die jeden Morgen Tische rausstellen und jeden Abend sehen, was funktioniert. Wo Rollstühle durchkommen. Wo die Sonne steht. Wo Nachbarn gestört werden.

Und ja, wir haben wirtschaftliche Interessen. Bei Menschen, die von ihrem Geschäft leben, soll das vorkommen. Die Stadt hat übrigens auch welche: Leerstand kann sich niemand leisten, und Herdecke hat wenig davon, weil hier Menschen tagein, tagaus eine lebendige Innenstadt schaffen. Das ist kein Vorwurf. Das ist eine gemeinsame Ausgangslage.

Was inzwischen entschieden ist

Bau- und Wirtschaftsförderungsausschuss haben beschlossen, dass die Stadt eine Gestaltungsrichtlinie erstellt und die Gewerbetreibenden in Anlehnung an ein Bebauungsplanverfahren beteiligt. Das ist gut. Es bedeutet: Der Entwurf wird vorgestellt und erörtert, Einwände werden schriftlich abgewogen, und der Rat sieht, warum etwas übernommen wurde oder nicht. Mehr verlangen wir nicht. Weniger sollte es aber auch nicht sein.

Ein Vorschlag

Monheim am Rhein erlässt Betrieben, die sich an die Gestaltungsrichtlinie halten, die Sondernutzungsgebühren. So wird aus einer Regel ein gemeinsames Projekt: Wer mitmacht, wird nicht bestraft, sondern belohnt. Ich fände das für Herdecke eine Überlegung wert, und ich habe noch keinen Wirt getroffen, der dagegen wäre. Das allein sollte die Verwaltung stutzig machen.

Und jetzt?

Ich möchte, dass aus dieser Richtlinie ein echtes Gespräch wird, zwischen Gastronomie, Verwaltung, Einzelhandel und den Menschen, die abends vor unseren Häusern sitzen. Also auch mit Dir. Wenn Du eine Meinung dazu hast, wo in Herdecke Tische stehen sollten und wo nicht, wo es zu eng ist, wo es zu laut ist, wo Dir etwas fehlt: Sag es mir. An der Theke, per Mail an info@the-shakespeare.pub, oder einfach, wenn wir uns vor dem Haus treffen. Unter dem Pavillon. Solange er noch steht.

Wir Herdecker Gastronomen sind bereit. Ich zumindest habe den Regenschirm schon dabei.

Der Artikel „Strengere Regeln für Außengastronomie: ‚Wir Herdecker Gastronomen sind bereit'” ist am 25.09.2026 in der Westfalenpost erschienen (Foto: Klaus Görzel). Die zitierten Passagen stammen aus meinem Schreiben an die Redaktion.