Nachgefragt: Nachbarschaftsgespräch im Pub “The Shakespeare“ – Erste Ergebnisse

The Shakespeare Pub, Herdecke. Regelmäßig Live Musik, Tastings und andere Events.
The Shakespeare Pub, Herdecke. Regelmäßig Live Musik, Tastings und andere Events.

Die “Gelben Karten“ konnten diesmal getrost im Koffer bleiben – das Gespräch fand durchweg in entspannter, konstruktiver und respektvoller Atmosphäre statt!“

Michael P. Klotz [Moderator]

Dies ist nur ein Teil des Fazits zum Gespräch “Wie bringen wir die berechtigten Bedürfnisse der Nachbarschaft des “The Shakespeare Pub“ in der Hauptstraße nach Ruhe und die Attraktivität der kulturellen Bereicherung für Besucher aus Herdecke und aus dem Umland durch Live-Musik-Events unter einen Hut.

Ich kenne erhitzte Diskussionen, zum gleichen Thema, wo es quasi als Schiedsrichter notwendig wurde, die Teilnehmer durch die Ermahnungskarten “Respekt“, “Ausreden-Lassen“ und “Bitte Kurz-Fassen“ wieder einzufangen um zu einem zielorientierten Ergebnis zu kommen, hier war das niemals nötig!“

Michael P. Klotz

Vielleicht ist das nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass dieses nachmittägliche Treffen auf Einladung des Wirts Nathaniel Stott erfolgte, der durch seine proaktive Handlung einen angenehmen Kontrapunkt zum sonst weit verbreiteten Aussitzen und Wegducken in ähnlichen Fällen setzte.

“Ich bin Schichtarbeiter!“ – Sonntags ist Ruhe

Und um Zuhören ging es zunächst einmal ausführlich: Stott und Renate Petrich schenkten sichtbar und ehrlich ihre volle Aufmerksamkeit den Schilderungen der knapp 10 Nachbarn und Interessierten, die der Einladung gefolgt waren.

Die dann doch überschaubare Anzahl – anwesend war außerdem Christoph Brand, Ratsherr in Herdecke und Kreistagsmitglied im Ennepe-Ruhr-Kreis als Quasi-Vertreter der Stadt und der Behörden – erklärt sich vielleicht durch den kurzfristig angesetzten Termin, die angenehme Witte- rung, die eher zum Genießen in einem der zahlreichen Cafe ́s einlud, und dadurch, dass man eben keinen Termin finden wird, an dem wirklich jeder kann.

“Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, da hatte ich tatsächlich richtig Angst. Vor allem die Bässe, die ich trotz Ohrstöpseln immer noch spüren konnte, haben mich wirklich sehr gestört!“ so Frau Kolbius, die ihre Wohnung direkt nebenan im Nebenhaus hat.
“Ich bin Schichtarbeiter!“ so Nachbar Marten, “Wenigstens am Sonntag wünsche ich mir die Ruhe, die ich brauche um mich mal wirklich zu erholen!“

Und Udo Kellmann ergänzte “Wenn dann zu nachtschlafender Zeit tiefe, weitklingende Männerstimmen und herzhaftes Lachen heller Frauenstimmen die eigentlich “stille Nacht“ stören, dann wünsche ich mir mehr Rücksicht. Ich kenne die Sicht der “anderen Seite“ selbst aus 30 Jahren Bigband-Erfahrung, und möchte meinen Appell ausdrücklich als Ansporn zum “Weitermachen“ verstanden wissen – halt nur mit mehr Augenmaß!“

Die ausgewählten, O-Töne geben beispielhaft die Stimmung während des Treffens wieder: Die kulturelle Bereicherung mit Wirkung weit über Herdecke hinaus wird also durchaus geschätzt, es gibt hier kein übliches “Wasch mich, aber mach mich nass-Denken“, wie man es von Konflikten kennt, wo man zum Beispiel sehr wohl die Vorzüge ei- nes gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehrs schätzt aber dann doch keine Bushaltestelle mit enger Taktung vor der eigenen Haustür haben möchte, oder auch zwar möglichst kurze Wege zum Start in den Urlaub mit dem Flieger, aber dann doch keinen Fluglärm über dem eigenen Garten.

Als konkret mess- und nachvollziehbares Ergebnis wurde ad hoc beschlossen, die für Sonntage angesetzten Termine nach den bereits geplanten auslaufen zu lassen, um eine für die Erholung unverzichtbare Sonntagsruhe vollständig, sicher und dauerhaft zu gewährleisten. Für Veranstaltungen in der Woche wird noch aufmerksamer auf die Einhaltung der Nachtruhe ab 22Uhr geachtet werden, um dennoch Raum für gewünschte “Zugaben“ zu lassen, will man den Beginn etwas früher ansetzen.

Bei der Auswahl der Musikgruppen und Solisten will Wirt Nathaniel Stott ab sofort vermehrt darauf achten, dass diese vom Stil und der zu erwartenden Laustärke besser in das Ambiente passen. Renate Petrich bittet um direkte Kontaktaufnahme, falls es doch mal zu laut werden sollte: “Wir kriegen das ganz sicher im direkten Kontakt besser hin, und brauchen nicht Polizei und Ordnungsamt damit zu belasten!“

Nachbarschafts-Treffen in der Hauptstrasse, Herdecke 

Auch die Idee aus dem Kreis der Gäste aus der Nachbarschaft, sich zum Beispiel in Form eines Nachbarschafts-Kaffeetrinkens besser kennenzulernen, steht auf der Agenda der “To-Do-Liste“, die als Hausaufgabe mitgenommen wurde.

Um den Gästen, die sich auch weit nach dem “Last Orders Please“, der letzten Runde, manchmal bis in die frühen Morgenstunden und nicht immer in “Zimmerlautstärke“ einen Anstoß zu geben, sich daran zu erinnern, dass sie sich eben in einer bewohnten Fußgängerzone befinden, soll ein in den Abendstunden mit den Speisen und Getränken verteilter Flyer dienen.

“Viel geredet – nix passiert?“ – weiteres Nachbarschaftsgespräch geplant 

Viel geredet – nix passiert!“ – um diesem häufig bei anderen Bürgerversammlungen erlebten Effekt entgegen zu wirken wurde sozusagen als “Kontrolltermin“ für Sonntag, den 11. September diesen Jahres für 17 Uhr ein weiteres Nachbarschaftsgespräch angesetzt. Der jüngst geknüpfte, noch zarte Gesprächsfaden, soll also in Zukunft an Stabilität gewinnen – zugunsten eines harmonischen, gut-nachbarschaftlichen Verhältnisses, bei dem allen Bedürfnissen maximal-möglich Rechnung getragen wird…

Mit freundlichen Grüßen,

Nathaniel