Moderner Wettstreit der Dichter in Herdecke

14. Mai 2019 HERDECKE. Auftakt zur Poetry Slam-Reihe im Shakespeares Pub. Publikum entscheidet über den Gewinner. Texte aus Uni-Alltag und zum konservativen Dorfleben.

Im Shakespeare drehte sich am Sonntag alles um Texte. Sechs Poeten stellten dem Publikum des ersten Poetry Slams im Shakespeare Pub ihre selbst geschriebenen Texte vor.

Ein Poetry Slam ist ein moderner Dichterwettstreit zwischen Künstlern, bei dem das Publikum entscheidet, wer gewinnt. Die sechs Poeten und Poetinnen Emil Bosse, Carolin Anuschkeit, Kim Catrin, Zwergriese, Adina Wilcke und Christofer mit F traten gegeneinander an.

Die ersten Lacher ernteten die Poeten für einen alten Brauch des Poetry Slams, dem Ganzkörper Schnick-Schnack-Schnuck, bei dem entschieden wird, wer zuerst vortragen darf.

Von der Uni zum Arschgeweih

Jeder Künstler bot eine andere Textart. Emil Bosse aus Essen sinnierte in seinem ersten Text über das Studium und die Universität, die Regelstudienzeit und die verlorene Freiheit.

Christofer mit F aus Dortmund hingegen trug einen lustigen Text vor, in dem das konservative Dorfleben und die Reaktion von Eltern auf ein Arschgeweih (Tätowierung) thematisiert wurde.

Poetin Kim Catrin aus Düsseldorf trug einen Text über die Liebe vor und gab zu bedenken, dass längst nicht alles schwarz-weiß sei. Zwergriese aus Essen erzählte eine Geschichte von zwei Menschen, die beide auf unterschiedliche Weise ein Problem mit ihrem Selbstwertgefühl zu haben scheinen.

Eine reine Publikumsentscheidung

Beim Poetry Slam ist das Publikum die Jury. Mit seinem Applaus entscheidet es über die Teilnehmer der nächsten…

Schnell merkte das Publikum, dass die Texte der Künstler auch immer eine nachdenkliche, eine gesellschaftskritische Seite haben. Trotzdem konnten nur zwei ins Finale kommen.

Das waren diesmal Emil Bosse und Christofer mit F. Dort zeigten beide Poeten noch einmal, was sie konnten. Emil Bosse trat mit einem nachdenklichen Text über das Älterwerden auf ,und Christof mit F bot eine lustige Geschichte über das Spielen von Rollen.

Beide ernteten für ihre Auftritte großen Applaus, und die Entscheidung für den Gewinner fiel knapp zu Gunsten von Christofer mit F aus.

Christofer mit F war nach seinem Sieg sehr zufrieden, ebenso wie mit dem gesamten Abend. „Es war ein riesiger Spaß. Es ist einfach wunderbar hier, und ich bin ganz außer mir“, sagte er kurz nach seinem Auftritt. „Es war wirklich sehr schön, und eine tolle Stimmung hatten wir auch. Besonders hab ich mich aber über die Aufmerksamkeit des Publikums gefreut“, merkte er noch an.

Idee schlummert schon lange

Die Idee zu einem Poetry Slam im Shakespeare kamen Felicitas Friedrich aus Bochum und Pub-Besitzer Nathaniel Stott. „Ich wurde einmal nach Herdecke mitgenommen, und dann kam die Idee, hier einen Slam zu veranstalten“, erzählte Friedrich lachend. Nathaniel Stott pflichtete ihr bei: „Die Idee schlummert schon lange.“

Slam Poetry - Moderatorin Felicitas Friedrich wartet mit den Poeten Emil Bosse, Zwergriese und Christofer mit F(von links) auf die nächste Runde. Foto: Laura Wunderlich
Slam Poetry – Moderatorin Felicitas Friedrich wartet mit den Poeten Emil Bosse, Zwergriese und Christofer mit F(von links) auf die nächste Runde. Foto: Laura Wunderlich

Auch Felicitas Friedrich ist zufrieden; denn den Gästen hätte es gefallen und das sei die Hauptsache. „Es gab zwar einmal vor drei Jahren einen Slam in Herdecke, aber daraus wurde nichts regelmäßiges. Ich würde mich freuen, hier etwas zu etablieren, dass regelmäßig stattfindet.“ Für diejenigen, die noch nie einen Poetry Slam besucht haben, erläuterte Felicitas Friedrich kurz das Regelwerk.

Die wichtigste Regel sei leicht zu merken, so die Moderatorin. Bei einem Poetry Slam dürften nur selbst geschriebene Texte vorgetragen werden, Zitate müssten gekennzeichnet sein.

Außerdem habe jeder Künstler ein Zeitlimit von sechs Minuten, das auch eingehalten werden müsse. Ebenso seien keine Requisiten jeglicher Art zugelassen. „Auf der Bühne gibt es keine Gitarre, ein Gummiboot oder eine Banane. Nur den Künstler und seinen Text“, erklärt Felicitas Friedrich.

Bei dem modernen Dichterwettstreit gelte zudem auch eine einfache Regel fürs Publikum – und die laute „Respect the poets“ (Respektiert die Künstler).

https://www.wr.de/staedte/herdecke-wetter/moderner-wettstreit-der-dichter-in-herdecke-id217409337.html

Spread the word. Share this post!

Leave Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.