The Shakespeare beim Biersommelier

BODO geht aus - The Shakespeare beim Biersommelier

BODO geht aus – The Shakespeare beim Biersommelier

Die Innenstadt von Herdecke besitzt Charme. Verwinkelte Gässchen, kleine Läden, Fachwerk, verschieferte Fassaden.

Bedauerlich, dass die Traditionskneipe „Tante Alma“ hier mehr als ein Jahr leerstehen sollte—bis Nathaniel Stott sie als „The Shakespeare“ wieder eröffnete.

Er bat nicht nur den Namen geändert. In den gediegenen Räumlichkeiten kann man Zunge und Gaumen überraschen. Bei und mit einem Getränk, das jeder zu kennen glaubt.

Ehemalige „Tante Alma“ — „The Shakespeare“

In und um Herdecke ist Nathaniel Stott als „der Engländer“ bekannt.

Er entspricht dem Bild, das man sich hierzulande von einem Bewohner der Insel macht. Ruhig, höflich, vornehme Blässe, typischer Akzent. Seit 1992 lebt er in Deutschland, hat studiert und ist der Liebe wegen nicht nach England zurückgekehrt.

Gearbeitet hat er als Webdesigner. „Im Hauptberuf war ich Papa“, sagt er. Und dass er schon immer gern gekocht habe. „Ich wollte dann mal ausprobieren, wie es ist, ein eigenes Restaurant zu führen.

Mich hat interessiert, mein Essen für viele Leute auf den Tisch zu bringen.“ Deswegen hat er sich vor drei Jahren mit den „Bleichsteinterrassen“ an der Ruhr selbständig gemacht.

Craft Beer und mehr

„Allerdings hat sich dort mein erstes Konzept schnell in etwas anderes verwandelt“, verrät er. Denn kurz nach der Eröffnung seiner Lokalität durfte er eine Erfahrung machen, die seinen Horizont in puncto Genuss und Geschmack auf ungeahnte Weise erweitern sollte.

„Ich habe ein Indian Pale Ale von Fritz Wülfing (AleMania) getrunken. Ich wusste bis dahin nicht, wie gut Bier schmecken kann.“ Wülfing zählt wie Sebastian Sauer (Freigeist Bierkultur und The Monarchy) zu den Stars der sogenannten Craft-Beer-Szene, unabhängigen kleinen Brauern, die seit einigen Iahen mit viel Kreativität und handwerklichem Können für frischen Wind auf dem Getränkemarkt sorgen.

Biersommelier, Bierproben und Degustationsmenüs

Nach besagtem Erweckungserlebnis ließ sich Stott bei der IHK zum Biersommelier ausbilden und erweiterte das Programm seiner Gastronomie um Bierproben, -seminare und Degustationsmenüs.

Selbstverständlich wird es diese Dinge auch im neuen Betrieb geben.

Was für Weintrinker keine Novität ist, mag manch einem im Kontext von Bier noch ungewöhnlich erscheinen. Aber Nathaniel Stott versichert, „die Bandbreite bei Bieren ist zigmal größer als die von Wein.

Auch rein geschmacklich. Zurzeit ist bei meinen Gästen ein Pfefferkornbier sehr beliebt. Es ist leicht, cremig und hinterlässt eine tanzende Note auf der Zunge.

„Neben elf weitere Sorten kommt es frisch gezapft vom Fass. Darüber hinaus gibt es etwa sechzig Flaschenbiere. Nicht nur Exoten. Auf der Karte findet man auch klassisches Pils und Alt der Hagener Vormann-Brauerei und mit Kilkenny und Guinness auch internationalen Mainstream, der aber in deutschen Restaurationen eher selten ist.

Die Küche jenseits der Degustationsmenüs ist verlässlich schmackhaft. Schnitzel, Eintopf, mal ein Curry- oder Nudelgericht, und, man ist schließlich beim Engländer zu Gast, English Breakfast und Fish’n’Chips. Wer hier isst, wird eventuelle Vorbehalte der angeblich so langweiligen Insel-Küche gegenüber revidieren müssen.

Kneipe mit Kultur

„The Shakespeare“ bietet auch Konzerte, Lesungen, Poetry-Slam, Quiz- und Film -abende. „Ich mag den Begriff ‚Kneipenkultur‘ nicht“, sagt Stott. „Ich spreche lieber von einer Kneipe mit Kultur, in der sich die Leute wohlfühlen können, als wäre es ihr eigenes Wohnzimmer.“

Von Wolfgang Kienast Fotos: Daniel Sadrowski. BODO November 2015

 

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